Das Brahms-Institut Lübeck hat einen Brief von Johannes Brahms zum „Deutschen Requiem“ erworben. Das vierseitige Schreiben des Komponisten an seinen Verleger ersteigerte Institutsleiter Prof. Dr. Wolfgang Sandberger auf einer Auktion in Berlin.
Brahms schrieb den Brief im Januar 1869 an den Verleger Jakob Melchior Rieter-Biedermann auf dessen Bitte, das „Deutsche Requiem“ vierhändig für Klavier zu arrangieren. Voller Ironie geht Brahms in seinem Schreiben auf diesen Wunsch ein: „Ich habe mich der edlen Beschäftigung hingegeben, mein unsterbliches Werk auch für 4händige Seele genießbar zu machen. Jetzt kann’s nicht untergehen. Übrigens ist es ganz vortrefflich geworden und außerdem sehr leicht spielbar, wirklich ganz und gar leicht und flott zu spielen.“ Das vollständig erhaltene und optisch reizvolle Briefautograph wurde letzte Woche bei Stargardt (Berlin) angeboten. Wolfgang Sandberger erhielt den Zuschlag für 7.000 Euro am Telefon.
„Der Brief zeigt den vermeintlich schreibfaulen Brahms als virtuosen Briefschreiber“, so Sandberger. „Das Autograph fügt sich perfekt in die einzigartige Lübecker Brahms-Sammlung ein und ist in unserem nächsten großen Projekt zum Brahms-Requiem Ende Juli in unserer Ausstellung zu sehen.“ Seine neue Ausstellung „Ich will Euch trösten“ mit weiteren spektakulären Ausstellungsstücken zum Requiem eröffnet das Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck am 27. Juli und veranstaltet am 28. Juli ein Symposion mit namhaften Referenten zu diesem Schlüsselwerk. Das Symposion findet in Kooperation mit dem Schleswig-Holstein Musik Festival statt, das das Werk am gleichen Tag unter Leitung von Rolf Beck aufführt.
Die Wissenschaftler im Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck haben entdeckt, dass das frisch erworbene Briefautograph inhaltlich von der Brahms-Briefausgabe von 1921 abweicht. Wolfgang Sandberger: „Der Brief wurde dort fehlerhaft wiedergegeben. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig eine neue historisch-kritische Edition des Brahms-Briefwechsels ist.“ Eine zeitgemäße Edition wäre ein aufwändiges, mehrjähriges Forschungsprojekt, in dem insgesamt rund 11.000 Briefe von und an Brahms wissenschaftlich aufgearbeitet werden müssten. Sandberger: „Wir werden diese Herkulesaufgabe in Angriff nehmen.“ Eine Grundlage dazu hat das Brahms-Institut mit dem digital zugänglichen Brahms-Briefwechsel-Verzeichnis 2009 bereits gelegt. Weitere Informationen unter www.brahms-institut.de.
http://"www.brahms-institut.de informiert über das Brahms-Briefwechsel-Verzeichnis"
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