Päpstewappen, altspanische Sprüche und eine „Zauberinschrift“ – das neue Werk über die Inschriften des Landkreises Passau dokumentiert ein breites Spektrum von Zeugnissen, die insbesondere die lokale Geschichte der Region beleuchten. Am 1. Dezember 2011 wird der Band im Festsaal von Schloss Obernzell vorgestellt.
Der Band umfasst 185 Editionen der Inschriften des Landkreises Passau, die sich in den ehemaligen Bezirksämtern Passau und Wegscheid befinden. Erfasst sind alle Inschriften vom hohen Mittelalter bis zum Jahre 1650, von denen der Großteil im Original erhalten ist. Das behandelte Gebiet grenzt sowohl im Norden als auch im Süden direkt an die Bischofsstadt Passau an und umfasst einen Teil des ehemaligen Hochstiftes Passau sowie einen Teil der ehemaligen Grafschaft Neuburg am Inn, aber auch angrenzende Abschnitte der bayerischen Landgerichte Vilshofen und Griesbach. Somit liefert die Edition ein breites Spektrum an verschiedensten, mehr oder weniger von der Stadt beeinflussten Bereichen.
Neben Denkmälern für im Hochstift tätige Amtsträger des Bischofs finden sich Marktrichter von Untergriesbach und Obernzell oder Verwaltungsbeamte der Grafschaft Neuburg am Inn. Eine ganze Reihe an Grabmälern stammt von lokalen Adelsfamilien. Sie wählten die ihren Sitzen nahegelegenen Pfarrkirchen zu ihren Grablegen und ließen oftmals ihre Denkmäler in Passauer Werkstätten fertigen. Ebenso ist der Klerus in den Inschriften vertreten: Neben der Pfarrgeistlichkeit treten besonders die Abtsgrabmäler in den Klöstern Fürstenzell und Vornbach am Inn hervor. Die Abteien bergen darüber hinaus auch bemerkenswerte Monumente ihrer Stifter, namentlich der Grafen von Vornbach.
Einen großen Teil des Katalogs nimmt der Inschriftenzyklus im Schloss Obernzell ein. Bischof Urban von Trenbach hatte den Festsaal zu Beginn der 1580er Jahre mit einem umfangreichen Päpstewappenfries und einem Zyklus lateini-scher Sinnsprüche mit Lebensweisheiten und diversen Zitaten – darunter auch solche in Griechisch, Altsyrisch und (pseudo-)Hebräisch – ausstatten lassen.
Der Band kann bei der Buchpräsentation von den Mitgliedern des Vereins für Ostbairische Heimatforschung zum Sonderpreis von EUR 45,– erworben werden.
Veranstaltung: Buchpräsentation „Die Inschriften des Landkreises Passau“
Termin: Donnerstag, 1. Dezember 2011, um 9.00 Uhr
Ort: Festsaal des Schlosses Obernzell, Schloßplatz 1, 94130 Obernzell
Anmeldung: per E-Mail an post@di.badw.de
Zu den Abbildungen:
Abb. 1: Bemalter Rauchkasten mit liegendem Dromedar (1583); Schrift-band: „NON SVEFRO MAS DE LO QVE PVEDO“. Inschrift in Altspanisch (deutsch: Ich (er)leide nicht mehr als ich (ertragen/erleiden) kann) (Lkr. Passau, Obernzell, ehem. fürstbischöfliches Schloss, Festsaal).
Das Bild stammt aus dem Bereich der Emblematik. Es ist ein Sinnbild für die Grenzen der Geduld: Das liegende Dromedar lässt sich geduldig mit Lasten bepacken; das plötzliche oder unerwartete Aufstehen des Tieres wird als Signal interpretiert, dass es nicht mehr tragen will oder kann. Das Bild mit dem Spruch findet sich in dem Werk Paolo Giovio, Dialogo dell’imprese militari et amorose, wo es als impresa amorosa des Kardinals Ippolito d’Este I. (1479—1520) geführt wird. Die Obernzeller Malerei wurde vom Passauer Bischof Urban von Trenbach (1561–1598) in Auftrag gegeben.
Abb. 2: Steinquader mit „Zauberinschrift“ (Denkhof, Gde. Büchlberg, Expositurkirche St. Laurentius).
Es handelt sich um eine niedrigniveauige Inschrift, die nicht genauer datiert werden kann, aber sicher aus der (frühen) Neuzeit stammt (ca. 16.–18. Jh.). Die einzelnen Buchstaben ergeben jeweils einen lateinischen Spruch; die Kreuze stehen für Sprüche, die mit Crux Christi beginnen. Zusammen bildet das Ganze den sog. Zachariassegen, der Mitte des 16. Jahrhunderts in Mitteleuropa auftauchte und zunächst von Geistlichen propagiert wurde. Im 17. Jahrhundert war dieser Segen jedoch als Aberglaube umstritten. Bei der Bevölkerung galt er als eine Art Zauberspruch gegen Pest, Hexerei und Unwetter.
Ansprechpartnerin:
Dr. Ramona Epp,
Kommission für die Herausgabe der Deutschen Inschriften des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Bayerische Akademie der Wissenschaften, Alfons-Goppel-Str. 11, 80539 München, Tel. 089/23031-1204, E-Mail Ramona.Epp@di.badw.de
Die Inschriften des Landkreises Passau I. Die ehemaligen Bezirksämter Passau und Wegscheid (Die Deutschen Inschriften, Band 80, Münchener Reihe 14. Band) gesammelt und bearbeitet von Ramona Epp. Dr. Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 2011. 372 S., 23 Taf. mit 70 SW-Abb., 1 farb. Karte, Ln. mit Schutzumschlag, EUR 59,00, ISBN 978-3-89500-786-6.
Die Bayerische Akademie der Wissenschaften, gegründet 1759, ist eine der größten und ältesten Akademien in Deutschland. Sie ist zugleich Gelehrtengesellschaft und Forschungseinrichtung von internationalem Rang. Mit rund 330 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreibt sie Grundlagenforschung in den Geistes- und Naturwissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf langfristigen Vorhaben, die die Basis für weiterführende Forschungen liefern und die kulturelle Überlieferung sichern. Sie ist ferner Trägerin des Leibniz-Rechenzentrums, eines der größten Supercomputing-Zentren Deutschlands, und des Walther-Meißner-Instituts für Tieftemperaturforschung. Seit 2010 betreibt sie ein Förderkolleg für den exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchs in Bayern.
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, jedermann
Geschichte / Archäologie
regional
Pressetermine, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch
Bemalter Rauchkasten mit liegendem Dromedar (1583); Schriftband: „NON SVEFRO MAS DE LO QVE PVEDO“. I ...
Foto: BAdW, Inschriftenkommission
Abb. 2: Steinquader mit „Zauberinschrift“ (Denkhof, Gde. Büchlberg, Expositurkirche St. Laurentius).
Foto: BAdW, Inschriftenkommission
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