idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
05/01/2008 23:00

Sperrfrist 1.5.08, 23.00 Uhr: Gendefekt - Fettreiche Nahrung hilft bei Bewegungsstörungen

Petra Schultze Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Ulm

    Wissenschaftler am Universitätsklinikum Ulm haben herausgefunden, dass erbliche Veränderungen eines Zuckertransportstoffes Bewegungsstörungen verursachen können. Sie treten nur bei dauerhafter körperlicher Belastung auf, Hilfe bietet den Betroffenen eine fettreiche Ernährung. Ihre Erkenntnisse veröffentlichen die Wissenschaftler am 1. Mai im renommierten "Journal of Clinical Investigation" (Sperrfrist).

    Damit unser Gehirn arbeiten kann, braucht es Energie - vor allem in Form von Traubenzucker. Auf seinem Weg vom Blut ins Hirn muss der Traubenzucker die Blut-Hirn-Schranke überwinden, dabei hilft ihm ein hoch spezialisierter Eiweißstoff, der Glucose-Transporter. Die Wissenschaftler um Prof. Dr. Holger Lerche, Leiter der Epileptologie der Universitätsklinik für Neurologie, haben nun einen vererbbaren Defekt an dem Transporter entdeckt und seine Wirkungsweise untersucht.

    Verbrauchen Menschen mit diesem Defekt z.B. bei sportlicher Betätigung besonders viel Energie, kann der Glucose-Transporter die Nervenzellen im Gehirn nicht mehr ausreichend mit Energie versorgen. "Da die Nervenzellen auch für die Koordination von Bewegungsabläufen zuständig sind, leiden die Betroffenen unter Bewegungsstörungen, die ihren Alltag massiv einschränken", erklärt Professor Lerche. Der Defekt kann im Weiteren außerdem zu einer Verzögerung der Entwicklung, zu Epilepsie und Blutarmut führen.

    Hilfe bietet den Betroffenen eine fettreiche Ernährung. "Dabei macht man sich zu Nutze, dass sich das Gehirn im Hungerzustand innerhalb weniger Tage vom Energieträger Traubenzucker auf den Verbrauch von Fett, sogenannter Ketonkörper, umstellt", erklärt Lerche. "Bietet man nun eine fettreiche Ernährung an, so lässt sich das Gehirn überlisten und ernährt sich von Ketonkörpern. Die Nervenzellen werden wieder ausreichend versorgt, die Bewegungsstörungen verschwinden." Bei einer von dem Gendefekt betroffenen Familie verbesserten sich dank der durch die neuen Erkenntnisse der Wissenschaftler eingeleiten Ernährungsumstellung die Entwicklung der Kinder, auch die bis dahin nicht behandelbaren epileptischen Anfälle verschwanden.

    Die Wissenschaftler fanden außerdem heraus, dass der Gendefekt auch zur Blutarmut führen kann: Das gleiche Eiweiß, das für den Traubenzuckertransport ins Gehirn zuständig ist, transportiert auch Traubenzucker in die roten Blutkörperchen. Der Gendefekt macht das Transporteinweiß durchlässig für gelöste Salze (Ionen). Insbesondere Kalziumionen können dadurch ungehindert in die roten Blutkörperchen einströmen und zu ihrem Absterben führen.

    Durch das Verständnis solcher erblichen Defekte erhoffen sich die Wissenschaftler langfristig bessere Behandlungsmöglichkeiten für Bewegungsstörungen, Epilepsie und ähnliche Erkrankungen des Nervensystems. Zudem wollen sie der Vermutung nachgehen, dass solche Defekte der Glucose-Transporter viel häufiger sein könnten, als bisher angenommen. Die Arbeit der Ulmer Wissenschaftler, die für die Verwirklichung des Projektes mit anderen Gruppen in Göttingen, Dresden, Tübingen, London und Bari kooperiert haben, wurde durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Nationalen Genomforschungsnetzes, durch ein Forschungsnetz der Europäischen Union (Epicure) und durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt.

    Die Arbeit wird am 1. Mai 2008 online in der Zeitschrift 'The Journal of Clinical Investigation' publiziert (Weber et al., "GLUT1 mutations are a cause of paroxysmal exertion-induced dyskinesias and induce hemolytic anemia by a cation leak").

    Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

    Ansprechpartner ist:
    Prof. Dr. med. Holger Lerche
    Neurologische Klinik und Institut für Angewandte Physiologie
    Universität Ulm, Zentrum für Klinische Forschung
    Tel: 0731-177-5203 oder 0731-500-63117
    e-mail: holger.lerche@uni-ulm.de

    Mit freundlichen Grüßen,
    Petra Schultze

    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Universitätsklinikum Ulm
    Albert-Einstein-Allee 29
    D - 89081 Ulm


    Tel.: +49 - (0)731 - 500.43.043
    Fax: +49 - (0)731 - 500.43.026
    Mail: petra.schultze@uniklinik-ulm.de
    Internet: www.uniklinik-ulm.de


    More information:

    http://www.uniklinik-ulm.de/neurologie - Universitätsklinik für Neurologie
    http://www.uniklinik-ulm.de/struktur/kliniken/neurologie/home/forschung/arbeitsg... - Arbeitsgruppe Prof. Dr. Holger Lerche
    http://www.jci.org - Journal of Clinical Investigation


    Images

    Prof. Dr. Holger Lerche
    Prof. Dr. Holger Lerche
    Foto: UK Ulm
    None


    Criteria of this press release:
    Medicine, Nutrition / healthcare / nursing
    transregional, national
    Research results
    German


     

    Prof. Dr. Holger Lerche


    For download

    x

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).